#社会#东德#城市B1-B2阅读时间 ~10 min

Versuch's doch mal mit Guben

来源:fluter.de (bpb)原文链接:打开原文

📝 概要

一位常住柏林的记者带着狗到勃兰登堡小城 Guben 试住两周,想体验从大城市搬到小城的可能性。她看到空置房多、街道安静,也感受到邻居的友好与日常便利,但年轻人外流、社群稀薄依然明显。文章借个体体验串起东德城市在统一后产业衰退、人口老化与市政吸引新居民之间的矛盾。

📖 原文节选 Textauszüge

Dieser Leerstand ist auch der Grund, warum ich die nächsten zwei Wochen so gut wie kostenlos hier wohnen darf. Während in Großstädten der Wohnraum immer knapper wird, ist Guben eine der vielen Gemeinden in Deutschland, die schrumpfen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich die Stadtverwaltung etwas überlegt: Probewohnen.

这种空置也是我接下来两周能几乎免费住在这里的原因。大城市的住房越来越紧缺,而 Guben 是德国众多正在萎缩的城镇之一。为了应对这一趋势,市政府想出了一个办法:试住。

💡 包含目标词汇 Leerstand、schrumpfen、entgegenwirken,以及 während 对比从句语法点。

Einige von ihnen stehen leer, und das wohl schon seit einiger Zeit, so, als wären sie als Kulisse eines Katastrophenfilms übrig geblieben.

其中一些建筑已经空置了,看起来已经空了有些时日,仿佛是某部灾难片遗留下来的布景。

💡 als wären … 虚拟比较句(Konjunktiv II),生动的文学比喻。

Ich lebe mich in Guben schneller ein, als ich dachte: Den nächsten Tag starte ich mit einer Tasse Kaffee im grünen Hinterhof, wo Mulan sich ungestört die Beine vertreten kann. Dort lernen wir unsere neuen Nachbarn kennen.

我在 Guben 适应得比预想的快:第二天我在绿意盎然的后院喝咖啡,Mulan 可以自由地舒展筋骨。我们在那里认识了新邻居。

💡 sich einleben(适应新环境)在语境中的自然使用。

Die Gubener Textilbranche war lange Zeit ein wichtiger Industriezweig, der sich mit einem Spruch in das Gedächtnis der Bewohner*innen eingebrannt hat: „Gubener Tuche, Gubener Hüte – weltbekannt für ihre Güte„. Nach der Wiedervereinigung wurden die Unternehmen abgewickelt.

Guben 的纺织业长期以来是重要的工业支柱,一句口号深深印在居民的记忆中:「Guben 的布料、Guben 的帽子--以品质闻名世界。」两德统一后,这些企业被清算关停。

💡 abwickeln(清算/关停)体现东德统一后的产业转型历史。

„Wenn du was machen willst, wird es dir leicht gemacht.“ Die Ladenmiete und die Fixkosten seien hier überschaubar und das Risiko daher nicht so groß.

「如果你想做点什么,这里会给你方便。」她说这里的店租和固定成本很可控,因此风险也不那么大。

💡 Konjunktiv I 间接引语(seien)以及 überschaubar 的实际用法。

原文授权:CC-BY-NC-ND-4.0-DE · 来源:fluter.de (bpb)

📄 原文全文 Volltext

Eine Runde um mein neues Zuhause reicht aus, um zu ahnen, dass mir eine einsame Zeit bevorstehen könnte. Es ist mein erster Tag in Guben, einer Kleinstadt in Brandenburg, direkt an der deutsch-polnischen Grenze. Meine Hündin Mulan und ich machen einen Spaziergang. Sie ist happy, ich skeptisch. Wir schauen die breite Karl-Marx-Straße hinauf und wieder hinunter. Niemand unterwegs. Die Gebäude entlang der Straße sind kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe, maximal vier Stockwerke hoch. Einige von ihnen stehen leer, und das wohl schon seit einiger Zeit, so, als wären sie als Kulisse eines Katastrophenfilms übrig geblieben.

Dieser Leerstand ist auch der Grund, warum ich die nächsten zwei Wochen so gut wie kostenlos hier wohnen darf. Während in Großstädten der Wohnraum immer knapper wird, ist Guben eine der vielen Gemeinden in Deutschland, die schrumpfen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich die Stadtverwaltung etwas überlegt: Probewohnen. Menschen, die mit dem Gedanken spielen, in eine kleinere Stadt zu ziehen, können es hier austesten. So wie ich. Normalerweise wohne ich in Berlin. Doch mit steigendem Alter und steigenden Mieten könnte ich mir vorstellen, irgendwo zu wohnen, wo es ruhiger und vielleicht auch schöner ist.

Aber könnte ich wirklich in Guben leben? Und warum ist die Abwanderung hier ein so großes Problem?

weiterlesen… / 继续阅读

Mein neues Zuhause liegt in einer renovierten Plattenbauwohnung mit bodentiefen Fenstern. Auf dem Tisch im Wohnzimmer wartet schon ein großer Begrüßungskorb mit Give-aways von Guben, der Wohnungsgesellschaft und dem Land Brandenburg. Darunter Gutscheine für die Bäckerei, das Restaurant und das Hallenbad. Mein Favorit ist ein Sitzkissen mit der Aufschrift: Brandenburg – es kann so einfach sein. Dazu sechs Bifis in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Ich lebe mich in Guben schneller ein, als ich dachte: Den nächsten Tag starte ich mit einer Tasse Kaffee im grünen Hinterhof, wo Mulan sich ungestört die Beine vertreten kann. Dort lernen wir unsere neuen Nachbarn kennen. Zum Beispiel einen älteren Mann, Typ Sporthose und Socken in den Sandalen, der rauchend auf seinem Balkon steht. Ich erkläre ihm, dass ich eigentlich aus Berlin komme. „Na, so was, eine Bulette." Das scheint hier die Bezeichnung für Menschen aus Berlin zu sein. Da fühle ich mich direkt willkommen.

Ein anderer Gubener, den ich kennenlerne, stellt sich als Mogelpackung heraus. Er kommt eigentlich aus einem Dorf weiter und ist verdutzt, als ich ihm erzähle, dass ich hier gerade zur Probe wohne. Aber er hilft mir sofort, den Sattel meines Probefahrrads einzustellen. So waren hier die meisten, die ich getroffen habe. Hilfsbereit, freundlich, eventuell etwas wortkarg. Aber allen ist gemeinsam, dass sie sich freuen, wenn man sich für ihre Stadt Guben interessiert.

Die Gründe für den Leerstand in Guben führen in die Vergangenheit der Stadt und spiegeln das Schicksal vieler Städte im Osten Deutschlands. Die Gubener Textilbranche war lange Zeit ein wichtiger Industriezweig, der sich mit einem Spruch in das Gedächtnis der Bewohner*innen eingebrannt hat: „Gubener Tuche, Gubener Hüte – weltbekannt für ihre Güte". Nach der Wiedervereinigung wurden die Unternehmen abgewickelt.

Die Bevölkerung schrumpfte von etwa 36.000 Einwohner*innen 1981 auf gut 16.000 im Jahr 2024. Neben der niedrigen Geburtenrate liegt das auch am Wegzug vor allem junger Menschen. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 53 Jahren, acht Jahre über dem Gesamtdurchschnitt in Deutschland.

Auf meinem Spaziergang durch die Altstadt komme ich an einem Bubble-Tee-Laden vorbei, in dem es scheinbar gut riecht, weil Mulan mich zielstrebig in den Laden zieht. An der Theke steht Phuong Nguyen, die Inhaberin. Sie ist 31 Jahre alt und gebürtige Gubenerin. Ihre Eltern sind als vietnamesische Arbeiter*innen in die Gegend gekommen. Seit dem Jugendalter wollte sie nur von hier weg. Doch nach ein paar Jahren in Berlin ist sie mit ihrem Partner zurückgezogen, weil es hier leichter war, eine Kita für ihr Kind zu finden. Glücklich ist sie allerdings nicht. Ständig müsse sie erklären, warum sie Bubble-Tee verkaufe und kein Eis. Dazu komme noch, dass hier kaum andere Menschen mit vietnamesischen Wurzeln lebten. „Es fällt mir schwer, weil es keine Community gibt."

Doch die Stadt habe sie bei der Eröffnung ihres Ladens auch unterstützt, zum Beispiel, als es um einen Bauantrag für das Anbringen einer Markise am Geschäft ging. „Wenn du was machen willst, wird es dir leicht gemacht." Die Ladenmiete und die Fixkosten seien hier überschaubar und das Risiko daher nicht so groß. Dass viele Jugendliche wegziehen, versteht sie. Als junger Mensch habe man es hier schwer, weil es keinen richtigen Ort gebe, an dem man sich treffen könne. „Überall ist man unerwünscht", so ihr Gefühl.

„Jugendliche müssen auch irgendwohin", sagt Jenny. Ihre Freunde Melvin und Robert winken ab. „Ist 'ne Rentnerstadt."

Nguyens Eindruck teilen viele junge Menschen, mit denen ich spreche. Im Stadtpark entdecke ich einen Platz mit kleiner Halfpipe, wo junge, aber auch einige ältere Menschen rumhängen. Die Jugendlichen sagen, sie würden ganz Alltägliches vermissen: mehr Bänke, ein paar Mülleimer. Jenny, 21 Jahre alt, hätte gern für sich und ihre Tochter einen schönen Spielplatz. „Jugendliche müssen auch irgendwohin", fügt sie hinzu. Ihre Freunde Melvin und Robert winken ab. „Ist 'ne Rentnerstadt."

Doch längst nicht alle sind unzufrieden in Guben. Am nächsten Tag treffe ich Thomas Laugks vor dem Rathaus. Er ist mit seinen 26 Jahren Mitglied der Gubener Stadtverordnetenversammlung. Er ist hier geboren und arbeitet als Lehrer für Geschichte und Polnisch. „Ich mag das Kleinstädtische", sagt er. „Man trifft immer irgendjemanden zufällig, sei es beim Bäcker oder auf der Straße." Laugks ist auch in Guben geblieben, weil er hier immer eingebunden war.

Was würde mich hier halten? Ich genieße es wie Laugks, dass ich – ganz anders als in Berlin – überall maximal eine Viertelstunde mit dem Fahrrad hinbrauche. Und die Stadt ist sehr grün. Mein Lieblingsort ist ein Fleck Sand, direkt am Ufer der Neiße. Mit Blick auf Polen sitzen Mulan und ich häufig hier, planschen ein wenig oder lesen.

Am Ende meiner Probezeit habe ich einiges über mich gelernt: Mich stört es überhaupt nicht, kein Café um die Ecke zu haben, das Flat White verkauft. Es ist mir auch egal, beim Einkaufen keine Auswahl oder eingeschränkte Öffnungszeiten zu haben. Worauf ich in meiner kurzen Zeit in Guben noch nicht gestoßen bin, sind Gleichgesinnte, die auch Lust darauf hätten, ein Kino zu organisieren oder Yogastunden im Park.

Mein Plan, in eine kleine Stadt zu ziehen, bleibt. Aber ich habe gemerkt, dass ich mehr Zeit, Vorbereitung und vielleicht auch Mitstreiter*innen benötige, um wirklich einen Neuanfang zu wagen. Dass der sich lohnen kann, hat mir meine Zeit in Guben gezeigt.

原文授权:CC-BY-NC-ND-4.0-DE · 来源:fluter.de (bpb)

🔑 词汇

📐 语法

"Die Fixkosten seien hier überschaubar."

报道中用 Konjunktiv I 转述他人观点,表达'她说/他认为'而非记者立场。常见形式:seien, habe, müsse。

🇩🇪 文化背景

Plattenbauwohnung
东德时期常见的预制板公寓,是许多城市景观的重要部分。
Guben / Gubin
德波边境城市被河流分割成两座城,反映历史与边境现实。
东德城市人口流失
统一后产业调整导致外流和老龄化,地方政府常以试住或补贴吸引新居民。

✏️ 练习建议

  • 用德语写 5 句话总结文章,不看原文。
  • 选 5 个词汇造句,尽量和自己生活相关。
  • 讨论:你能接受搬去小城生活吗?为什么?