Die Straßen werden kahl
📝 概要
德国城市中的行道树正在大规模死亡:持续干旱、热浪和密封路面让数十万棵树失去了生存基础。文章走访了柏林和莱比锡的市政园艺师、树木保护活动人士和气候研究者,展示城市绿化在气候变化面前面临的严峻挑战,以及各城市正在试验的应对策略。
📖 原文节选 Textauszüge
Wenn Thomas Böhmer morgens seine Runde durch den Berliner Bezirk Friedrichshain dreht, zählt er die toten Bäume. Heute sind es drei: eine Linde, deren Krone seit dem Sommer braun ist, eine Birke mit abblätternder Rinde und ein Spitzahorn, der einfach nicht mehr austreibt. „Vor zehn Jahren habe ich vielleicht zwei tote Bäume im Monat gemeldet", sagt der städtische Baumkontrolleur. „Jetzt sind es manchmal zehn pro Woche." Böhmer arbeitet seit 22 Jahren für das Grünflächenamt und hat in dieser Zeit einen schleichenden Wandel beobachtet: Die Bäume in seiner Stadt sterben schneller, als neue gepflanzt werden können. Allein in Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren über 50.000 Straßenbäume verloren gegangen – durch Trockenheit, Hitze, Schädlinge und die unsichtbare Belastung versiegelter Böden, die kein Regenwasser mehr durchlassen. Für Böhmer ist jeder gefällte Baum ein persönlicher Verlust: „Ein Baum braucht 30 Jahre, um eine Straße zu beschatten. Wenn er stirbt, dauert es eine Generation, bis der Ersatz die gleiche Wirkung hat."
每天早上 Thomas Böhmer 在柏林弗里德里希海因区巡视时,他都在数死去的树。今天是三棵:一棵椴树的树冠从夏天起就是棕色的,一棵白桦的树皮正在脱落,还有一棵挪威槭就是不再发芽了。「十年前我大概一个月报告两棵死树,」这位城市树木巡查员说,「现在有时一周就十棵。」Böhmer 在绿地管理局工作了 22 年,在此期间观察到一个渐进的变化:他所在城市的树木死亡速度超过了补种速度。仅柏林在过去五年就失去了超过 5 万棵行道树——因为干旱、高温、害虫以及不可见的压力:密封路面不再让雨水渗透。对 Böhmer 来说,每棵被砍的树都是一种个人损失:「一棵树需要 30 年才能为一条街遮荫。如果它死了,要一代人的时间替代树才能有同样的效果。」
💡 schleichend(渐进的)再次出现;versiegelt(密封的)是城市生态核心词汇。
Das Problem betrifft ganz Deutschland. Laut dem Waldzustandsbericht der Bundesregierung sind nur noch 21 Prozent aller Bäume vollständig gesund – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1984. In den Städten ist die Lage noch dramatischer, denn Straßenbäume stehen unter zusätzlichem Stress: Ihre Wurzeln kämpfen mit Leitungen, Kabeln und verdichtetem Erdreich, die Luft ist wärmer als im Umland, und bei Starkregen fließt das Wasser über den Asphalt direkt in die Kanalisation, statt in den Boden zu sickern. Stadtklimatologe Prof. Dieter Scherer von der TU Berlin nennt das den „urbanen Hitzeinseleffekt": „In einer Sommernacht kann es in der Innenstadt bis zu acht Grad wärmer sein als am Stadtrand. Für einen Baum, der ohnehin gestresst ist, kann das den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten."
这个问题影响着整个德国。据联邦政府的森林状况报告,只有 21% 的树木完全健康——自 1984 年开始调查以来的最低值。城市中的情况更加严峻,因为行道树承受着额外的压力:它们的根系与管线、电缆和压实的土壤争夺空间,空气比周边地区更热,暴雨时水从沥青路面直接流入下水道,而不是渗入土壤。柏林工大的城市气候学家 Dieter Scherer 教授称之为「城市热岛效应」:「在夏天的夜晚,市中心可能比城市边缘热八度。对一棵本已受压的树来说,这可能意味着生与死的区别。」
💡 statt … zu sickern 替代不定式结构;ohnehin(本来就)加强语气。
Einige Städte experimentieren mit neuen Ansätzen. In Leipzig hat das Amt für Stadtgrün begonnen, sogenannte „Schwammstadt"-Elemente einzubauen: Unter Gehwegen werden Speichermodule verlegt, die Regenwasser auffangen und langsam an die Baumwurzeln abgeben. Hamburg testet „Klimabäume" aus Südeuropa und Asien – Arten wie die Zerreiche oder den Japanischen Schnurbaum, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen als die traditionellen Linden und Kastanien. In München haben Bürger die Initiative „Gießkanne statt Gießkännchen" gegründet: Über eine App koordinieren sich Freiwillige, um in Trockenperioden Straßenbäume mit Wasser zu versorgen. Bereits 15.000 Münchnerinnen und Münchner beteiligen sich. „Die Leute verstehen, dass Bäume keine Selbstverständlichkeit mehr sind", sagt Initiatorin Maria Huber. „Aber Ehrenamt kann keine kommunale Infrastruktur ersetzen."
一些城市正在尝试新方法。莱比锡的城市绿化局开始安装所谓的「海绵城市」元素:人行道下铺设蓄水模块,收集雨水并缓慢释放给树根。汉堡正在测试来自南欧和亚洲的「气候树种」——比如栓皮栎或日本槐树,它们比传统的椴树和栗子树更能应对高温和干旱。在慕尼黑,市民成立了「浇水壶取代小喷壶」倡议:通过一个 App,志愿者协调在干旱期为行道树浇水。已有 15000 名慕尼黑市民参与。「人们理解到,树木不再是理所当然的了,」发起人 Maria Huber 说,「但志愿服务不能代替市政基础设施。」
💡 Schwammstadt(海绵城市)是城市规划热门概念;Selbstverständlichkeit(理所当然之事)。
原文授权:CC-BY-NC-ND-4.0-DE · 来源:fluter.de (bpb)
📄 原文全文 Volltext
Wenn Thomas Böhmer morgens seine Runde durch den Berliner Bezirk Friedrichshain dreht, zählt er die toten Bäume. Heute sind es drei: eine Linde, deren Krone seit dem Sommer braun ist, eine Birke mit abblätternder Rinde und ein Spitzahorn, der einfach nicht mehr austreibt. „Vor zehn Jahren habe ich vielleicht zwei tote Bäume im Monat gemeldet", sagt der städtische Baumkontrolleur. „Jetzt sind es manchmal zehn pro Woche." Böhmer arbeitet seit 22 Jahren für das Grünflächenamt und hat in dieser Zeit einen schleichenden Wandel beobachtet: Die Bäume in seiner Stadt sterben schneller, als neue gepflanzt werden können. Allein in Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren über 50.000 Straßenbäume verloren gegangen – durch Trockenheit, Hitze, Schädlinge und die unsichtbare Belastung versiegelter Böden, die kein Regenwasser mehr durchlassen. Für Böhmer ist jeder gefällte Baum ein persönlicher Verlust: „Ein Baum braucht 30 Jahre, um eine Straße zu beschatten. Wenn er stirbt, dauert es eine Generation, bis der Ersatz die gleiche Wirkung hat."
Das Problem betrifft ganz Deutschland. Laut dem Waldzustandsbericht der Bundesregierung sind nur noch 21 Prozent aller Bäume vollständig gesund – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1984. In den Städten ist die Lage noch dramatischer, denn Straßenbäume stehen unter zusätzlichem Stress: Ihre Wurzeln kämpfen mit Leitungen, Kabeln und verdichtetem Erdreich, die Luft ist wärmer als im Umland, und bei Starkregen fließt das Wasser über den Asphalt direkt in die Kanalisation, statt in den Boden zu sickern. Stadtklimatologe Prof. Dieter Scherer von der TU Berlin nennt das den „urbanen Hitzeinseleffekt": „In einer Sommernacht kann es in der Innenstadt bis zu acht Grad wärmer sein als am Stadtrand. Für einen Baum, der ohnehin gestresst ist, kann das den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten."
In manchen Vierteln ist der Verlust mit bloßem Auge sichtbar. Auf der Karl-Marx-Allee, einst eine der prächtigsten Alleen Berlins, klafft inzwischen jede dritte Baumgrube leer. Die Platanen, die hier seit den 1950er-Jahren standen, haben den Kampf gegen die Trockenheit verloren. Anwohner berichten, dass die Temperaturen im Sommer spürbar gestiegen sind, seit die Bäume fehlen: „Früher war es unter den Kronen angenehm kühl. Jetzt strahlt der Asphalt die Hitze zurück, und man kann nach 14 Uhr kaum noch draußen sitzen", sagt eine Bewohnerin.
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Die Wissenschaft bestätigt diese Beobachtung. Studien der Humboldt-Universität zeigen, dass ein einzelner ausgewachsener Straßenbaum die Umgebungstemperatur um bis zu drei Grad senken kann – durch Verdunstung und Schatten. Er filtert Feinstaub, produziert Sauerstoff und bietet Lebensraum für Insekten und Vögel. „Ein Straßenbaum ist eine Ein-Mann-Klimaanlage", sagt die Biologin Dr. Nadine Strauß. „Wenn wir ihn verlieren, gibt es keinen gleichwertigen Ersatz. Kein technisches Gerät kann das leisten."
Einige Städte experimentieren mit neuen Ansätzen. In Leipzig hat das Amt für Stadtgrün begonnen, sogenannte „Schwammstadt"-Elemente einzubauen: Unter Gehwegen werden Speichermodule verlegt, die Regenwasser auffangen und langsam an die Baumwurzeln abgeben. Hamburg testet „Klimabäume" aus Südeuropa und Asien – Arten wie die Zerreiche oder den Japanischen Schnurbaum, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen als die traditionellen Linden und Kastanien. In München haben Bürger die Initiative „Gießkanne statt Gießkännchen" gegründet: Über eine App koordinieren sich Freiwillige, um in Trockenperioden Straßenbäume mit Wasser zu versorgen. Bereits 15.000 Münchnerinnen und Münchner beteiligen sich. „Die Leute verstehen, dass Bäume keine Selbstverständlichkeit mehr sind", sagt Initiatorin Maria Huber. „Aber Ehrenamt kann keine kommunale Infrastruktur ersetzen."
Die Kosten für den Erhalt und die Neupflanzung städtischer Bäume übersteigen die Budgets vieler Kommunen. Ein einziger Straßenbaum kostet mit Pflanzung, Bewässerungssystem und dreijähriger Anwachspflege zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Berlin müsste nach eigenen Schätzungen jährlich 60 Millionen Euro investieren, um den Baumbestand stabil zu halten – bewilligt sind derzeit 35 Millionen. „Wir pflanzen jedes Jahr Tausende Bäume, aber wir verlieren noch mehr", sagt ein Sprecher der Senatsverwaltung. „Es ist ein Wettlauf, den wir gerade verlieren."
Baumkontrolleur Thomas Böhmer steht vor einer leeren Baumscheibe in der Rigaer Straße. Hier stand bis letzten Herbst eine 80 Jahre alte Kastanie. Jetzt wächst zwischen den Pflastersteinen Unkraut. Ein Anwohner hat ein kleines Schild aufgestellt: „Hier lebte ein Baum. 1943–2025. Ruhe in Frieden." Böhmer fotografiert das Schild und schickt es seiner Kollegin. „Manchmal", sagt er, „trauern die Nachbarn mehr um einen Baum als um alles andere in ihrer Straße."
原文授权:CC-BY-NC-ND-4.0-DE · 来源:fluter.de (bpb)
🔑 词汇
📐 语法
"…statt in den Boden zu sickern."
statt + zu 不定式表示「而不是做……」,是正式语体常见结构。
🇩🇪 文化背景
✏️ 练习建议
- 用德语描述你所在城市的绿化情况,写 5-6 句。
- 用 statt … zu 结构写 3 个关于环保行为的句子。
- 讨论:城市绿化应该由政府负责还是市民共同参与?
- 选 5 个词汇造句,尽量与城市环境话题相关。